Montag, 29. Dezember 2014

Berlin Marathon 2014 - enttäuscht und doch zufrieden

Samstag Früh machte ich mich auf den Weg nach Berlin. Ich fuhr mit dem Zug und kam pünktlich um kurz nach 14 Uhr am Hauptbahnhof an. Dort traf ich mich mit Christian, der mit dem Flieger schon ein paar Stunden früher ankam. Ich checkte noch im AO Hostel am Bahnhof ein. Danach machten wir uns auf den Weg zur Messe und holten unsere Startunterlagen ab. Dort gab es keine Warteschlange und innerhalb kürzester Zeit hatten wir alles notwendige beisammen. Auf dem Polarstand traf ich Andre und ließ mir den Startknopf meiner Uhr reparieren, während wir zwischenzeitlich unseren Durst in der Erdinger Lounge löschten.

Twitterlauftreff mit privater Pasta Party

Sascha organisierte über Twitter eine private Pasta Party am Abend vor dem Marathon. Es kamen Twitterer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Darunter so ultra schnelle Läufer wir Christian aus Österreich, Matthias aus der Schweiz und Sven aus Ulm. Da fühlte man sich als Triathlet vor dem ersten Marathon zwar etwas fehl am Platze, aber die Faszination am Laufen vereint und über Twitter scheint es so, als ob man sich schon ewig kennen würde. Eine Überraschung war ein großes Paket, das Sascha per Post bekam und das er bei dem Treffen aufmachte. Es waren 3 riesige Tafeln Manner-Schnitten aus Österreich mit der Aufschrift "Marathon". 


Sascha mit den riesige Marathon Manner Schnitten
Pasta Party mit Twitterlauftreff und den verteilten Manner Schnitten
Nach einem sehr leckeren Essen machten wir uns auf den Weg zurück

Die Nacht davor - schlimmer geht's nimmer

Zurück in meinem 8-Bettzimmer bereitete ich alles für den nächsten Tag vor. Startnummer, Startnummernband, Zeit-Chip, Klamotten für davor und danach, Laufschuhe, Socken, Schildmütze, Hose und Shirt. Soweit war alles gut und die Nacht vor einem Wettkampf schläft man meistens eh nicht gut, aber dass ausgerechnet unter mir sich einer Dauerschnarcher eingenistet hatte, war weniger gut.
MERKEZETTEL für nächsten Berlin Marathon: lieber doch ein paar Euro drauf legen und vernünftig schlafen.

Der Marathon - Vor dem Start

Am Sonntag Früh traf ich mich kurz vor 8 Uhr mit Christian am Hauptbahnhof. Kurz zuvor lief mir noch Stella über den Weg. Wir kennen uns seit dem letzten Jahr, als wir zusammen bei dem 24 Stunden Schwimmen in Haar teilgenommen haben. Sie erkannte mich in der Menschenmenge und ich freute mich, sie getroffen zu haben. Wir quatschen kurz bevor sie sich weiter auf den Weg zur Strecke machte die Läufer zwischen Kilometer 17 und 19 anzufeuern. 
Vom Bahnhof zum Startgelände
 Der Weg vom Bahnhof zum Startgelände war recht kurz und schon bald waren wir auf dem Startgelände und am Erdinger Teammobil. Dort machten wir unsere letzten Vorbereitungen und deponierten unsere Rucksäcke im Teammobil. Irgendwie war ich innerlich doch recht nervös, sodass ich die tolle Atmosphäre und das gigantische Wetter gar nicht richtig registrierte.
Sonnenaufgang hinter dem Reichstag
Das Kanzleramt
Wir machten uns auf den Weg zum Startblock F für alle Läufer über 4:15h oder alle Ersttäter, die noch keine Marathonzeit haben. Wir schnappten uns so gelbe Wärmeumhänge, die uns angenehm warm hielten, denn es war noch sehr kühl. 
Das Ziel ist nur 100 Meter entfernt und doch sooooo weit weg
Mit Schuhen in den deutschen Landesfarben laufen wir DEN deutschen Marathon
Christian völlig entspannt ganz im Gegensatz zu mir

Der für mich emotionalste Moment war der Aufruf der letzten Startgruppe. Begleitet wurden wir von einem Lied, dessen Text nicht besser zu der Situation und der ganzen Vorbereitung hätte passen können:

Wer friert uns diesen Moment ein
Besser kann es nicht sein
Denkt an die Tage, die hinter uns liegen
Wie lang wir Freude und Tränen schon teilen
Hier geht jeder für jeden durchs Feuer
Im Regen stehen wir niemals allein
Und solange unsere Herzen uns steuern
Wird das auch immer so sein
Ein Hoch auf das, was vor uns liegt
Dass es das Beste für uns gibt
Ein Hoch auf das, was uns vereint
Auf diese Zeit (Auf diese Zeit)

Gleich geht es auf meine längste Laufstrecke
 Kurz nach dem Start machte ich noch ein paar Fotos, denn später hatte ich keine Lust mehr dazu.




Der eigentliche Lauf

Da Christian und ich in etwa gleich schnell laufen (na gut, meistens ist Christian schneller als ich), war unser Plan, den Marathon gemeinsam zu laufen. Als Marschplan planten wir, die ersten 5 km in einer 6er Pace zu beginnen. Danach wollten wir das Tempo auf eine 5:30er Pace hochziehen und bis zum Schluss halten. Verpflegung hatten wir in Form von 4 High5 Gels mit dabei. Von den Iso-Getränken wollten wir uns fern halten, da man nie genau weiß, wie leicht oder stark diese angerührt sind. Daher wollten wir nur Wasser aufnehmen und gelegentlich ein Gel schlürfen.

Die ersten 5 km waren nach 29:10 Minuten vorbei, was einem 5:50er Schnitt entspricht. Etwas schneller als geplant, aber soweit noch im Rahmen. Die nächsten 5 km waren nach 27:36 Minuten vorbei (5:31er Pace). Wir kamen also bei unserem Renntempo an. Auf den folgenden 5 km waren wir 2 Sekunden schneller und liefen diese in 27:34 Minuten. Alles im grünen Bereich.
Die 5 km bis zur 20 km Marke absolvierten wir in 27:4 Minuten (5:33er Pace). Die Verpflegung klappte auch gut und bisher ging alles recht schnell vorbei. Den Halbmarathon hatten wir bei 1:58:13 geschafft.

Jetzt spürte ich erstmals die bisherige Belastung und wir konnten unser geplantes Tempo nicht mehr ganz halten und rutschten auf eine 5:40er Pace ab. Bis Kilometer 35 liefen wir so Seite an Seite.

Zu dem Zeitpunkt war ich allerdings schon so im Tunnel, dass ich kaum merkte, dass ich auf dem Kufrürstendamm lief. Von außen bekam ich kaum noch etwas mit und ich folgte eigentlich nur noch der blauen Linie. Christian war erst 5 Meter vor mir, dann waren es 10 Meter und plötzlich hatte ich ihn aus den Augen verloren. 

"Hammer the Dreisportler"

Da war er also nun, der Mann mit dem Hammer. Er hat mich getroffen. Ab Kilometer 36 ging es nur noch mit einer 6er Pace weiter. Zum Glück musste ich aber nie gehen. An den Verpflegungsstationen bin ich zwar ein oder zwei Schritte gegangen, um das Wasser vernünftig zu trinken, aber danach ging es im Laufschritt (vermutlich war es eher im Schlürfschritt) weiter. So verlor ich jeden Kilometer wertvolle Sekunden und ich merkte, dass es mit einer Zeit unter 4 Stunden eng werden würde. Aber ich war zuversichtlich, dass es doch noch reichen sollte. Den Potsdamer Platz erahnte ich nur aus den Augenwinkeln heraus, aber dann war mein Blick schon wieder auf den Boden gerichtet. 
30:09 Minuten für die 5 km bis zur Marke 40. Mist ist das knapp. Noch 12:49 Minuten für die restlichen 2,2 km. Das reicht doch, oder?

Auf den verwinkelten Straßen rund um den Gendarmenmarkt (den hab ich sogar erkannt und irgendwie wahrgenommen) fühlte ich mich dann allerdings doch etwas verloren auf der Strecke. Zwar wusste ich, dass es nicht mehr weit sein würde, aber das Ziel hatte seine magische Anziehungskraft noch nicht entfaltet. 

Kurz vor dem Brandenburger Tor - sieht besser aus als ich mich fühlte

Kilometer 41 in 6:02 Minuten: Laufzeit 3:53:16 verbleiben noch 6:44 Minuten. Das muss doch reichen. Endlich ging es auf die Straße "Unter den Linden" und das Brandenburger Tor war in der Ferne sichtbar. Ich versuchte nun auf dem letzten Kilometer das Tempo nochmal anzuziehen, war mir auch gelang (zumindest fühlte es sich so an). Ich freute mich auf den Durchlauf unter dem Brandenburger Tor und den Zieleinlauf und war kurzzeitig aus dem Tunnel draußen. Der Weg bis zum Brandenburger Tor war aber noch weit und so fuhr ich zu schnell wieder ins Tunnel ein, sodass ich mich an das Durchlaufen durch das Brandenburger Tor leider nicht mehr erinnere. 

Während andere sich auf das Ziel freuten, war ich nur froh es bald geschafft zu haben

Die letzten Meter

Glücksgefühle, Jubel und Freude verspürte ich keine. Ich war nur noch froh, im Ziel angekommen zu sein.
Ich stoppte meine Uhr.

Im Ziel

Die Uhr zeigte 4 Stunden und 13 Sekunden - Oh nein, das darf doch nicht wahr sein. Christian wartete einige Meter hinter dem Ziel auf mich. Er strahlte, hatte er doch eine Laufzeit von 3:56:35. Nachdem er mir ab Kilometer 35 davon gezogen war, schaffte er die restlichen Kilometer wieder im 5:30er Schnitt zu laufen. Starke Leistung! Ich freute mich für ihn, war zeitgleich aber von meiner Zeit furchtbar enttäuscht. 

Offiziell lief ich 4:00:10 Stunden. Heißt, dass die Strecke für mich 33 Meter zu lang war oder meine Pace pro Kilometer um genau 26 Hundertstel Sekunden zu langsam war. 

Aber so richtig hilft das auch nicht. Über 4 Stunden sind über 4 Stunden - Punkt.


Ein müdes Lächeln konnte ich mir kurz nach dem Ziel noch abringen


Die erste Enttäuschung ist angesichts des Erdinger Zielbier kurzzeitig verflogen        (c) ERDINGER Alkoholfrei
Am Erdinger Stand genehmigten wir uns zwei verdiente Bierchen. Christian traute sich sogar sich auf den Boden zu setzen. Hätte ich das gemacht, wäre ich nicht mehr wieder hoch gekommen (außer mit einem Schwerkran vielleicht).

Nach der Dusche und weiteren Flüssigkeitsergänzungen ging es mir körperlich wieder recht gut. Zu viel Zeit konnte ich mir jedoch nicht lassen, denn mein Zug ging schon um kurz vor 16 Uhr wieder zurück. Dieser hatte aber im Gegensatz zu mir 5 Minuten Verspätung, während es bei mir nur wenige Sekunden waren. An irgend was musste ich mich ja wieder aufbauen und meine Enttäuschung verarbeiten.

Auf dem Weg zurück zum Bahnhof

Auf der Heimfahrt grübelte ich natürlich darüber nach, was die Ursache bzw. Ursachen für den Einbruch war. An einem zu hohen Anfangstempo hat es nicht gelegen. Da haben wir uns gut zurück gehalten. Die Verpflegung hat m.E. auch gut geklappt. Sicherlich waren die wenigen langen Läufe in der kurzen Vorbereitungszeit der Hauptgrund. Mir hat schlicht und ergreifend die Ausdauer gefehlt.

Die vielen aufmunternden Worte, die ich über Twitter, Facebook, SMS und per Telefon bekam, haben mich dann auf der Heimfahrt wieder aufgebaut. Euch allen vielen lieben Dank dafür. Diese Art der "Therapie" ist einfach unbezahlbar.

Wenn ich bedenke, welche Probleme ich die letzten beiden Jahre beim Laufen hatte, so kann ich im Rückblick auf den Berlin Marathon positives festhalten:

  • seit über 1 Jahr schmerzfrei
  • gesteigerte Laufumfänge ohne Probleme gut verkraftet (bis zum Marathon mehr als doppelt so viele km gelaufen wie im gesamten Vorjahr)
  • ohne Verletzung am Start gestanden
  • ohne Verletzung durch den Marathon gelaufen
  • auch die Tage danach keine Probleme gehabt
Somit kann ich trotz der anfänglichen Enttäuschung doch ein positives Fazit ziehen und der nächste Marathon als Staffelläufer bei der Challenge Roth 2015 steht auch schon fest.