Donnerstag, 31. Juli 2014

Wettkampfbericht Challenge Kraichgau 2014

In den letzten Wochen vor der Challenge Kraichgau versuchte ich noch etwas Kraft in die Radbeine zu bekommen, denn mir fehlten einfach zu viele Höhenmeter im Vergleich zu den letzten Jahren. Daher machte ich noch einige K3-Einheiten in der Hoffnung, dass es für die hügelige Kraichgau-Strecke reichen sollte.

Vom letzten Jahr kannte ich noch Sebastian, den ich zwischenzeitlich auch mal außerhalb von Wettkämpfen traf. So machten Sebastian und ich 2 1/2 Wochen vor Kraichgau ein "Big Day Training" mit allen 3 Disziplinen am Ort des Geschehens. Knapp 30 Minuten im Hardtsee, dann die Radrunde mit Rückfahrt zum See und abschließend noch eine Laufrunde. Ein toller Tag, der mir zeigte, dass es die Radstrecke immer noch in sich hat (wie konnte ich nur glauben, dass die Strecke jetzt flacher sein sollte als letztes Jahr) und dass ich mit keinen zu großen Erwartungen in das Rennen gehen sollte. Besonders auf dem Rad würde ich versuchen mich etwas zu drosseln, damit ich noch einigermaßen vernünftig den Halbmarathon laufen könnte.

Zieleinlauf Challenge Kraichgau 2014
In den Wochen vor dem Event wurde sowohl in meiner Twitter Timeline als auch auf Facebook klarer, wer dieses Jahr mit am Start sein würde und so startete ich den Aufruf zu einem Twitter-Treffen im Rahmen der Pasta-Party und Wettkampfbesprechung. Dem Aufruf folgten SebastianHeike und Norbert und wir hatten unseren Spaß. Thorsten und Wolfgang schafften es leider nicht zum Treffen.

Nach der Wettkampfbesprechung machten Sebastian und ich uns auf den Weg zum Bike-Check-in. Wir checkten unsere Räder ein und dann ging es ab ins nicht weit entfernte Hotel. Wir schauten ein Fußball-WM Spiel an, tranken noch 2 Alkoholfreie und richteten unsere Dingen für den nächsten Tag her.

Die Nacht verbrachte ich recht entspannt und ich konnte gut schlafen. Am nächsten Morgen brannte die Sonne schon recht ordentlich und wir waren uns sicher, dass wir gut gegrillt am Nachmittag im Ziel ankommen würden. Trotz der hohen Temperaturen in den Tagen vor dem Rennen und einer angezeigten Wassertemperatur von über 23 Grad auf der Homepage der Challenge Kraichgau, war die gemessene Temperatur am Morgen des Wettkampfes nur noch 21 Grad. Scheinbar haben die bestellten Eiswürfel einiger Teilnehmer geholfen. :-) Also nochmal zurück zum Auto und den Neo holen, Wechselbeutel abgeben, Toilette, den ersten Startern zuschauen und erst ganz zum Schluss in den Neo reinschlupfen. Jede Minute länger und ich wäre schon vor dem Start gar gekocht gewesen. Dann muss man auch noch aufpassen, dass man nicht zu nah an der Starterkanone steht, denn die hat einen ordentlichen Wums. Andererseits bist Du spätestens dann richtig wach.

Dann konnte ich ins Wasser und mich noch etwas einschwimmen. Fast zeitgleich kamen die ersten Profis zurück und da schaute ich lieber denen zu, als mich einzuschwimmen. Dafür würde ich bald noch genug Zeit haben. Ich orientierte mich ganz links ein und startete aus der 3. Reihe recht gemütlich und ohne Körperkontakt in das Rennen. Das war sehr entspannt. Zwar merkte ich dann recht bald, dass ich nach links abdriftete, denn alle Mitschwimmer waren so ca. 10 Meter rechts vor mir. Diese wenigen Meter Umweg machten mir nichts aus, denn so hatte ich meine Ruhe und konnte entspannt in den Wettkampf einsteigen.

Zur ersten Boje hatte ich einen guten Orientierungspunkt ausgemacht und mir nur wenigen Korrekturen schwamm ich direkt drauf zu. Bei der zweiten und dritten Boje ging dies auch noch gut, aber dann ging es voll gegen die Sonne auf die vierte und letzte Boje zu. Irgendwie hatte ich an dem Tag einen Linksdrift beim Schwimmen und so kam ich voll vom Kurs ab und einer der DLRG Paddler machte sich bemerkbar und zeigte mir den richtigen Weg. Ich war ganz schön vom Weg abgekommen und das ärgerte mich. Ab jetzt nahm ich die Boje öfters ins Visier. Das hätte ich schon früher machen sollen, aber das bringt mich immer aus dem Rhythmus, weshalb ich darauf so weit wie möglich verzichte.

Schwimmausstieg nach 31:34 Minuten
Nach dieser vierten Boje ging es dann zum Schwimmausstieg und ich konnte die Musik an Land schon hören. Mit der Zeit von 31:34 Minuten (zumindest 35 schnellste Schwimmzeit in meiner AK mit 338 Finishern) war ich natürlich nicht wirklich zufrieden, denn eine Zeit von 30 Minuten kann ich recht sicher auf 1,9 km schwimmen. Daher wird wohl der Umweg mich diese Zeit gekostet haben. Egal, hoch den Anstieg und erst mal den Puls in ungeahnte Höhen treiben, nach Luft pumpend den Wechselbeutel suchen, im Zelt den Neo ausziehen und ab zum Rad.

Beim Aufsteigen auf das Rad ging der erste Tritt gleich voll ins Leere, so als wenn ich einen Leerlauf drin gehabt hätte. Dieses Problem hatte ich zwar schon mal, aber damals war es dann schnell wieder weg und ich konnte das Problem nicht reproduzieren. Ausgerechnet jetzt trat es wieder auf. So ein Mist. Ich stieg ab und schob das Rad etwa einen Meter nach hinten. Glücklicherweise funktionierte es dann wieder und ich schwang mich erneut aufs Rad. Glück gehabt.

Die ersten 12 Kilometer ging es flach Richtung Bad Schönborn. Ein perfekter Abschnitt, um mit noch frischen Beinen schon mal ein gutes Tempo einzufahren. Jedoch würde sich das im späteren Verlauf des Rennens mit den noch kommenden Höhenmetern rächen. Daher machte ich in dem flachen Abschnitt etwas langsamer. Kurz vor dem ersten Anstieg durch das Wohngebiet in Bad Schönborn drehte mein Antrieb wieder leer durch, sodass ich nochmal anhalten musste.Kurz zuvor rollte ich auf die Abzweigung zu. Vielleicht hatte es damit was zu tun. Naja, wieder anhalten - Rad kurz zurückschieben - Antrieb prüfen - hält - also weiter. Jetzt machte ich mir schon etwas Sorgen über den weiteren Verlauf. Sollte ich nicht mehr den Freilauf benutzen dürfen?

Daumen hoch trotz der technischen Probleme mit dem Rad
Oben am Schindelberg geht es links weg zur Kapelle und der Antrieb versagte ein drittes Mal. Wieder kurz nach einer kurzen Passage rollen im Freilauf. Wenn das so weiter geht, dann wird das noch eine lange Radfahrt werden. Ich hielt erneut an und schaffte es nochmal, das Problem zu lösen. Jetzt traute ich mich fast nicht mehr, im Freilauf zu rollen, da ich darin irgendwie die Ursache vermutete. Ausgerechnet jetzt kam die lange und schnelle Abfahrt vom Schindelberg. Ich schaltete also in den höchsten Gang und hörte nicht mehr auf zu treten.

Bei der ersten Verpflegungsstation in Odenheim war ich gerade dabei, die aufgenommene Radflasche in die Halterung zu stecken, als eine Teilnehmerin mich hart nach links abdrängte. Die Ortsdurchfahrt ist nicht sehr breit und die Straße war noch durch Hütchen für den kommenden Gegenverkehr geteilt. Ich konnte nicht anders als auf die Gegenfahrbahn ausweichen, denn sonst wären wir beide und vermutlich noch ein paar mehr gestürzt. Den Schock schnell verdauen und noch zwei Gels aufnehmen bevor es in den nächsten Anstieg geht.

Das große Highlight der Strecke ist der Anstieg in Gochsheim. Ähnlich dem Solarer Berg in Hilpoltstein werden die Radfahrer den Anstieg regelrecht hoch getragen. Bei Trainingsfahrten fühlt sich der Anstieg nicht gerade einfach an, aber im Wettkampf ist es das krasse Gegenteil. Keine Anstrengung und der pure Genuss.

Der Rest der Strecke verlief recht unspektakulär. Die Probleme mit dem Leerlauf existierten nicht mehr, die Anstiege wurden nicht leichter und besonders die letzte Schleife vor dem Rückweg über den Schindelberg hat sich nochmal gewaschen. Der Anstieg nach Tiefenbach bei Kilometer 70 ist kurz aber knackig. Danach geht es flacher aber stetig nach Eichelberg, wo es die letzte Verpflegung gab. Dann bergab zurück und den letzten Anstieg hoch zum Schindelberg.

Der letzte Anstieg hoch zum Schindelberg
In einigen anderen Wettkampfberichten las ich, dass die Rückfahrt über den Schindelberg so hart sei. Dies kam mir gar nicht so vor und ich kurbelte relativ locker den Berg hoch und freute mich schon auf die schnelle Abfahrt nach Bad Schönborn. Auf den letzten flachen Kilometern nach Bad Schönborn gab es dann noch schönen Rückenwind und ich flog mit über 40 Sachen noch an einigen Teilnehmern vorbei. Nach 2:54:21 gab ich das Rad einen der vielen Helfern und machte mich auf die Suche nach dem Wechselbeutel. Zwar waren die Beutel in T2 anders aufgebaut als in T1, aber ich fand meinen Beutel dann doch recht schnell. Socken an, Schuhe an, noch ein Gel einstecken und beim Rauslaufen noch einen guten Isoschluck mitnehmen.

Jetzt ging es erst einmal bergab nach Bad Mingolsheim, dann durch den Ort zum Kurpark. Dort überholte mich Yvonne van Vlerken. Nach dem Kurpark geht es wieder zurück hoch zum späteren Ziel. Da war mächtig Stimmung in dem ersten Teil der 7 Kilometer langen Runde. An den Verpflegungen nahm ich abwechseln Isogetränk und Gel/Wasser auf. Meist ging ich ein paar Schritte, um genügend Flüssigkeit rein zu bekommen, bevor ich dann wieder anlief. Die Schwämme zur Kühlung nutzte ich sehr intensiv, denn es war immer noch recht heiß. Bei Kilometer 4 flog dann noch Laura Philipp vom Team Erdinger Alkoholfrei an mir vorbei. Die Glückliche war schon in der letzten Runde, während ich noch 18 Kilometer vor mir hatte.

Entspannt in der zweiten Runde
Komisch fand ich, dass einige Kilometerschilder scheinbar falsch aufgestellt wurden, denn auf dem 3. Kilometer stoppte ich eine Zeit von 3:48 Minuten. Das könnte ich vielleicht mal einen Kilometer lang durchhalten, aber dann müsste ich ins Sauerstoffzelt.

In der zweiten Runde sah ich Ute Mückel an der Strecke und an einem italienischen Restaurant saßen die Leute einen Meter neben den Läufern und aßen gemütlich ihre Spagetti. Irgendwie schon ein komisches Gefühl. Ansonsten passierte nichts außergewöhnliches, außer dass ich langsamer wurde und für die zweite Runde 1:30 Minuten mehr benötigte. Aber soweit war noch alles in bester Ordnung und ich machte mich auf die letzte Runde.

Vor dem Kurpark sah ich Sebastian mir entgegen laufen und wir riefen uns kurz zu. Bei Kilometer 18 merkte ich einen aufkommenden Schmerz am zweiten Zeh. Durch die viele Kühlung von oben wurden meine Socken und Schuhe recht nass und dadurch bekam ich eine Blase. Beeinträchtigt hat mich dies aber nicht mehr. In der Runde lief ich noch auf Sebastian auf und wir wechselten ein paar Worte.

Der letzte Kilometer
Dann ging es noch den letzten Anstieg in dem Wohngebiet hoch und noch über die Brücke über die Bundesstraße, bevor langsam die Vorfreude auf den Zieleinlauf in mir hoch kam.

Die letzte Kurve auf dem Zielteppich
Zieleinlauf - Finish - Glücklich
Den Halbmarathon schaffte ich zwar nicht unter 1:50 Stunden, aber ich war nur 53 Sekunden drüber und somit nur etwas über eine Minute langsamer als meine bisherige Bestzeit über einen Solo-Halbmarathon. Insgesamt brauchte ich 5 Stunden 21 Minuten und 50 Sekunden. Eine wirkliche Zeitvorgabe hatte ich mir nicht gemacht, aber zwischen 5:15 Stunden und 5:30 Stunden wollte ich schon ankommen.

Überrascht war ich von meinem niedrigen Durchschnittspuls von 154. So niedrig war ich noch nie in einem Wettkampf unterwegs. Vielleicht machte sich die zurückhaltende Fahrweise auf dem Rad hier bezahlt, denn selbst beim Laufen ging der Puls nicht nach oben.

Schönes Design der Finisher Medaille
Im Zielbereich füllte ich erstmals meine Speicher wieder auf. Dort traf ich dann Sven Steffens, den ich vom Firmenlauf Augsburg kannte. Er kam gerade von der Massage und er meinte, dass dort derzeit noch wenig los ist. Also ging ich danach ins Massagezelt und lies mich 4-händig die Beine massieren. Danach wartete ich auf Sebastian, um mit ihm gemeinsam auf unser Finish anzustoßen. Nach einer weiteren Stärkung holten wir unsere Wechselbeutel ab und duschten uns. Leider habe ich meine geliebten Wettkampf-Schuhe in den Deutschland-Farben in der Dusche vergessen und bisher nicht wieder bekommen. Bei den Veranstaltern wurden sie nicht abgegeben.

Insgesamt ein perfekter Wettkampftag. Vermutlich starte ich nächstes Jahr nochmal im Kraichgau bei dem dann stattfindenden Ironman 70.3 Rennen, denn es hat sehr viel Spaß gemacht.