Montag, 11. März 2013

Leistungsdiagnostik mit Atemgasanalyse (Aeroscan)

Letzte Woche hatte ich einen Termin zur Leistungsdiagnostik mit Atemgasanalyse (Aeroscan) bei der Firma Formkurve in München. Bisher hatte ich schon zwei Laktatdiagnostiken auf dem Laufband gemacht. Daher wollte ich diese Diagnostik auf dem Rad machen.

Aeroscan Atemgasanalyse auf dem Rennrad bei Formkurve


Im Vorfeld konnte ich noch einige Stunden auf der Rolle verbringen, damit ich wenigstens etwas an den Grundlagen gearbeitet habe. Auch habe ich mich eine Woche vor dem Test einem Conconi Selbsttest unterzogen. Dies mache ich typischerweise immer zu Beginn und am Ende der Rollen-Saison, um die hoffentlich Verbesserungen zu dokumentieren. Dabei starte ich immer bei 100 Watt und steigere alle 2 Minuten um 20 Watt. Bei diesem Selbsttest schaffte ich erstmals 320 Watt über die vollen 2 Minuten zu halten. Mein Puls lag dann bei 176 Schlägen, was auf dem Rad in etwa meinem Maximum entspricht. Ich leite dies aus meinem Maximalpuls beim Laufen ab, der vor ein paar Jahren mit 188 Schlägen bei meiner ersten Leistungsdiagnostik ermittelt wurde. 

Nun aber zur aktuellen Leistungsbestimmung. Beim Aeroscan wird neben der Leistung und dem Puls auch das Atemgas analysiert. Dabei wird der eingeatmete Sauerstoff und das ausgeatmete Kohlendioxid gemessen. Daraus wird der sogenannte respiratorische Quotient (RQ) bestimmt. Aus dem RQ lässt sich nun erkennen, ab welcher Leistung bzw. Puls die Fettverbrennung zum Erliegen kommt und nur noch Kohlehydrate verbrannt werden. Für uns Ausdauersportler ist dies eine wichtige Information sowohl für das Training als auch später im Wettkampf.

Bei einer klassischen Spiroergometrie bekommt der Proband eine Atemgasmaske auf das Gesicht, welche meines Erachtens einige Nachteile mit sich bringt. 
  1. ungewohnte Situation mit der Maske
  2. es ist schwieriger zu atmen
  3. verstärktes Schwitzen unter der Maske
All diese Nachteile gibt es bei dem Aeroscan nicht, denn das Messgerät für das Atemgas kommt nur kurzzeitig gegen Ende einer jeden Belastungsstufe zum Einsatz und wird dann wieder entfernt. Dies bedeutet, dass man den größten Teil der Belastung ohne das Messgerät macht. Auch wenn man das Messgerät im Mund hat, kann man noch sehr gut weiter atmen und hat nicht das Gefühl, in Atemnot zu kommen.

Für aussagekräftige Ergebnisse muss bei einem Aeroscan auch nicht bis zur vollständigen Ausbelastung gegangen werden, so wie dies typischerweise bei einer Laktatmessung der Fall ist. Trotzdem kann man bis ans Limit gehen.

Begonnen wird der Test mit einer Ruhemessung. Mein Puls zeigte allerdings nicht ganz die sonstige Ruhe von ungefähr 50 Schlägen, sondern war bei etwas über 60. Tja, die Nervosität vor dem TEST. Anschließend ging es auf mein Rad, welches auf eine Rolle eingespannt war. Dies fand ich sehr gut, denn das Rad ist optimal auf mich eingestellt und passt somit. Bei einem Ergometer die richtige Sitzposition zu finden ist nicht einfach und durch diese andere ungewohnte Sitzposition kann sich der Test verfälschen.

Nach ein paar Minuten mit lockerem Einrollen ging es dann richtig los. Begonnen wurde  mit 70 Watt. Dies wurde alle 3 Minuten um 30 Watt gesteigert. Wir bereits oben geschrieben, bekam ich ca. 30 Sekunden vor dem Ende einer jeden Belastungsstufe das Analysegerät gereicht. Nach dem Ende der Atemanalyse wurde mir das Analysegerät wieder abgenommen und ich durfte noch die Anstrengung laut der Borg-Skala bekannt geben.


Alles noch recht entspannt - zumindest beim Tester
Der Sauerstoffbedarf zu Beginn war natürlich noch nicht sehr hoch, sodass ich gut durch die Nase atmen konnte. Mit dem Analysegerät im Mund und dem damit verbundenen Nasenzwicker, musste ich zwangsläufig durch den Mund ein- und ausatmen. Dabei fiel mein Puls deutlich ab.

Bin gespannt, wie weit ich komme

So ging es dann weiter. 100 Watt, 130 Watt, 160 Watt, 190 Watt. Alles kein Problem, komme ich doch bei meinen eigenen Conconi-Test immer auf 320 Watt. Ich fühlte mich sogar deutlich besser als bei meinem letzten Conconi-Test. Zwar hatte ich keinen direkten Puls-Vergleich, aber ich dachte, dass er jetzt niedriger sein würde.


Bei 220 Watt meinte mein Tester, dass wir den Test nach der nächsten Stufe eigentlich beenden könnten. „Was, jetzt schon?“ Schock! Ich fühlte mich doch glänzend, aber im Vorfeld hatten wir ja vereinbart, dass ich bis ans Limit gehen möchte. Somit ging es dann in einem etwas anderen Modus weiter. Die Belastungsdauer pro Stufe reduzierte sich auf 30 Sekunden und ich durfte/musste das Analysegerät nun dauerhaft im Mund behalten.

280 Watt, 310 Watt, 340 Watt, 370 Watt, 400 Watt, Schach-Matt. Durch die verkürzte Belastungsdauer konnte ich noch einige weitere Watt-Stufen durchlaufen als ich dies bei meinen eigenen Test über die ganze Belastungsdauer geschafft habe.
Endlich ausrollen

Bei den 400 Watt konnte ich noch auf dem Display vor mit sehen, dass ich einen Puls von 183 erreicht hatte. Bisher kam ich auf dem Rad maximal auf  Puls 176 (sowohl auf der Rolle als auch draußen). 

Dann war noch gemütliches ausrollen angesagt und der Puls beruhigte sich wieder recht schnell. Nach nicht einmal 30 Minuten war der Spuk vorbei und ich konnte vom Rad absteigen und mich duschen.

In der Zwischenzeit wurden meine Daten von der Software ausgewertet und das Ergebnis mir anschließend präsentiert.

Bei 206 Watt und einem Puls von 147 war Schluss mit der Fettverbrennung. Ab da war mein RQ über 1, was anzeigt, dass ab dem Zeitpunkt nur noch Kohlehydrate verbrannt werden. Das war auch der Zeitpunkt, zu dem der Test  hätte beendet werden können. Mein VO2max wurde mit 50,8 ml/min/kg und mein Ruheumsatz mit 2230 kcal pro Tag angegeben.

Wenn ich nun das Ergebnis mit den Pulsaufzeichnungen aus 2012 von der Radstrecke bei der Challenge Roth (Puls 160) vergleiche, dann hätte ich gar keine 5:22h lange durchhalten können. Ich vermute daher, dass ich jetzt noch nicht in der Form vom letzten Jahr bin. Das ist auch nicht weiter schlimm, denn ich bin noch keinen Kilometer draußen mit dem Rennrad gefahren. Andererseits befinde ich mich bereits im letzten von drei Monaten, in dem hauptsächlich das Grundlagentraining absolviert wird und Kraichgau ist nur noch 3 Monate entfernt. Also heißt es jetzt, dass das Wetter hoffentlich besser wird und dass ich noch viele Kilometer machen muss.

Insgesamt gesehen, war ich mit dem Ergebnis des Tests sehr zufrieden. Ein Vergleichstest kurz vor dem Hauptwettkampf wäre noch sehr interessant, um den Unterschied zu jetzt zu sehen und auch um dann zu wissen, ab welchem Puls die Fettverbrennung beendet ist. Dies wäre noch eine gute Indikation für den Wettkampf. Mal schauen, ob ich den Aeroscan nochmal vor Kraichgau oder Roth machen werde.

Wer von euch hat auch schon mal einen Aeroscan gemacht?
Was für ein Ergebnisse habt ihr dabei erzielt?

Schreibt mir das doch als Kommentar.

Viele Grüße

Matthias