Mittwoch, 14. September 2011

Wettkampfbericht meiner ersten Mitteldistanz in Erlangen

Um 5 Uhr klingelte der Wecker. Nach einem relativ gemütlichen Frühstück mit 4 Honig/Marmeladen-Toasts und einem Kaffee gings auch schon auf die Fahrt nach Erlangen zu meiner ersten Mitteldistanz. Über Nacht hatte es zwar geregnet aber in der Früh zeigte sich fast etwas der blaue Himmel, obwohl Regenschauer angekündigt waren.

Gegen 7:30 Uhr holte ich mir noch die Startunterlagen ab und hatte damit schon einen kurzen Lauf-Warm-Up hinter mir. Im Auto verteilte ich dann erst mal meine Sachen auf die 3 Beutel für Rad, Laufen und Privat. Auf dem Weg vom Parkplatz zur Wechselzone begann es heftig zu regnen und der Regen hat bis zur Hälfte der Radstrecke angehalten. Daher natürlich nicht gerade optimale Bedingungen auf der Radstrecke.

Das Wasser war mit 21,9 Grad unterhalb der Grenze, sodass im Neo geschwommen werden konnte. Allerdings hat es mich selbst mit Neo vor dem Start im Wasser etwas gefroren. Beim Start hab ich mich relativ weit hinten orientiert und war ca. 20 m hinter der Startlinie. Ich wollte dem Gedränge einfach aus dem Weg gehen, was mir auch gut gelungen ist. Jedoch merkte ich bald, dass einige Schwimmer vor mir noch langsamer waren und daher zog ich dann an denen vorbei. Leider habe ich keinen passenden Wasserschatten finden können und so konnte/musste ich alleine schwimmen. Dies war für mich ganz ok. Somit konnte ich mein eigenes Tempo schwimmen und hab mich nicht zwanghaft an andere gehängt, deren Speed vielleicht über meiner Pace gewesen wäre. Bei der Wendemarke hab ich mir sogar erlaubt, kurz auf die Uhr zu schauen. Es waren etwas über 18 Minuten vergangen und damit lag ich ganz gut in der Zeit.
Auf dem Rückweg konnte ich dann sogar auf einige Schwimmer aufschließen, die 10 Minuten vor uns gestartet waren. Nach 35:34 kam ich aus dem Wasser und war somit am schnellen Ende meines angegebenen Zeitfensters von 35-40 Minuten angekommen. Dies hat mir natürlich gut gefallen und somit wechselte ich entsprechend motiviert aufs Rad. Auch die Anfeuerung meines Trainingspartners Christian hat mich gut gepusht. In der Wechselzone wurde mir beim Ausziehen des Neo geholfen und ich konnte mich danach gleich auf den Weg machen. Den Rest (Einpacken des Neos mit Schwimmbrille und Schwimmkappe) hat die freundliche Helferin erledigt. Das nenne ich mal einen klasse Service.

Kopf tief unten hilft gegen den Wind
Auf dem Rad hab ich gleich zu Beginn einen guten Druck auf dem Pedal verspürt und es ging trotz heftigem Gegenwind echt gut vorwärts. Leider fiel dann mein Pulsgurt aus, sodass ich keine Ahnung  mehr hatte, wie hoch mein Puls ist. Ich hab zwar noch versucht, das Problem zu lösen, aber das ist mir nicht gelungen.  Somit musste ich erstmals in einem Wettkampf mich ganz auf mein Körpergefühl verlassen und entsprechend in meinen Körper reinhören. Mein erstes Gel nahm ich vor der 1. Verpflegungsstelle und meine erste Trinkflasche hatte ich zu dem Zeitpunkt auch schon geleert, sodass ich diese gegen eine Wasserflasche tauschte.  Ich nahm auch eine halbe Banane mit und hab diese auf dem Anstieg und der anschließenden Abfahrt gegessen. Mein Ernährungsstrategie ist bis dahin aufgegangen.

Da ich die Radstrecke schon kannte, wusste ich von den zu erwartenden Anstiegen und Abfahrten. Daher freute ich mich schon auf den Anstieg nach Röttenbach, dann danach würde es sehr lange mit einem angenehmen Gefälle bergab gehen. Vom Wind begünstigt war ich hier dauerhaft mit 50 bis 60 Sachen unterwegs und hab reihenweise Plätze gut gemacht. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 34 km/h beendete ich die erste Runde und fühlte mich noch wirklich gut. Zu Beginn der 2. Runde war der Gegenwind wieder mein Begleiter und es wurde merklich schwerer mein Tempo zu halten. Zu dem Zeitpunkt zwang ich mich auch, meinen ersten Riegel zu essen. Es war nicht einfach und einen Hunger darauf habe ich auch nicht verspürt, aber eigentlich wollte ich den Riegel schon in der ersten Runde essen. Also rein damit.

Der Schleicher im Hinterrad
Nach einigen Bodenwellen merkte ich, dass ich im Hinterrad Luft verliere und teilweise auf der Felge aufsetzte. Somit hatte ich vermutlich einen Schleicher im Hinterrad. Ich versuchte dann etwas mehr Gewicht aufs Vorderrad zu bringen, was dann für einige Zeit auch gut funktionierte, jedoch bei einem längeren Anstieg vor Buch war es dann soweit. Ich entschloss mich dazu, das Hinterrad aufzupumpen. Einen vollständigen Austausch wollte ich nicht riskieren, denn das hätte mich deutlich mehr Zeit gekostet. Somit hielt ich an und pumpte. In der Zwischenzeit haben mich gefühlt ca. 40 Fahrer überholt.

Anschließend ging es dann auch wieder recht gut weiter, wenngleich ich vermutlich nur 6 Bar im Reifen hatte. Glücklicherweise ging dann dafür mein Pulsgurt wieder, wobei ich durch die Radprobleme andere Sorgen hatte. An der 2. Verpflegungsstelle tausche ich die Wasserflasche nun gegen ein Isogetränk aus und nahm nochmal eine halbe Banane mit. In der Ortsdurchfahrt Hemmhofen merkte ich, dass ich mit meinem Hinterrad wieder auf der Felge fuhr. Da ich noch wusste, dass der Anstieg  nach Röttenbach kommt, wollte ich mich bis dahin noch durchschlagen und erst dort nochmal aufpumpen - in der Hoffnung, dass es bis ins Ziel reichen würde. So musste ich mich in den Kurven zwar wieder etwas zurücknehmen und langsamer fahren, aber dieser Notfallplan ging auf. Ich pumpte also nochmal auf und fuhr den Anstieg hoch.
Letzter Anstieg in Röttenbach kurz vor der 2. Pumpaktion.
Man beachte die vorsichtige Fahrweise und den platten Hinterreifen.
Die anschließende Abfahrt ging dann wieder recht flott und ich konnte wieder einige Platze gut machen. In einem Kreisverkehr in Kleinseebach rutschte mir das Hinterrad kurz weg und ich konnte mich gerade noch fangen. Da es bis ins Ziel nur noch wenige km mit kaum Kurven waren, wollte ich es ohne erneutes aufpumpen versuchen. Ich wurde sogar von anderen Teilnehmern angesprochen, ob ich einen Platten hätte. Entsprechenden Respekt bekam ich, dass ich trotz der wenigen Luft im Reifen noch deren Geschwindigkeit gefahren bin. Nach 2:21 Stunden kam ich in T2 an. Wow, 9 Minuten schneller als die schnellste von mir geschätzte Zeit. Das Rad wurde uns von den vielen Helfern abgenommen und so konnte ich gleich zum Laufbeutel durchlaufen, der mir dann auch gleich gereicht wurde. Echt ein klasse Service.

Vom Rad nahm ich noch die 2 verbleibenden Gels mit und steckte mir noch 2 Gels aus dem Laufbeutel ein. Dann noch ein großer Schluck aus der Trinkflasche und ab auf die Laufstrecke. Die Uhrzeit zeigte 3:03 h an und selbst bei einem Laufschnitt knapp unter 6 min/km wäre ich mit sub5 ins Ziel gekommen. Entsprechend locker ging ich dann auch das Laufen an. Ich war verwundert, dass ich keine Probleme bei der Umstellung aufs Laufen hatte. Es ging von Anfang an gleich richtig gut los. Bei bisherigen Koppelläufen dauerte es meist doch relativ lange, bis ich einen vernünftigen Laufrhythmus fand. Die ersten km lief ich in einem 5:20er Tempo und so machte ich mit jedem Kilometer Boden gut auf eine Sub5.  Beim ersten Durchlauf durch's Stadion freute ich mich schon auf den Zieleinlauf, auch wenn dieser doch noch weit entfernt sein sollte. Beim Rauslaufen aus dem Stadion ging es ca. 10 Treppenstufen hoch. Das war schon ganz schön hart, aber es ging erstaunlich locker rauf. Bei der 2. Verpflegungsstelle hab ich ich mein 2. Gel genommen auch wenn mir überhaupt nicht danach war. Die Laufstrecke erinnerte durch den aufgeweichten Boden zwar mehr an einen Cross-Lauf und die schnellen Läufer sahen auch entsprechend aus. Da ist es dann von Vorteil, wenn man nicht so schnell ist. :-)

Da ich keinen Geschwindigkeitsmesser mitnahm, orientierte ich mich an den km-Markern und nahm immer eine Zwischenzeit. Mein Tempo hatte sich bei 5:30 stabilisiert Beim 2. Durchlauf durch's Stadion war dann für mich klar, dass es mit der Sub5 klappen sollte. Jedoch wollte ich noch nicht zu viel Freude aufkommen lassen, da es ja immer noch 10 km waren und noch viel passieren konnte. Am meisten Angst hatte ich wirklich davor, dass mir die Kohlenhydrate ausgehen und dann Wandertag angesagt ist. Daher zwang ich mir in der 2. Laufrunde nochmal ein Gel rein und hielt mich ansonsten an die Iso-Getränke. Jedoch funktioniert das Trinken während dem Laufen bei mir immer noch nicht. Daher habe ich bestimmt zu wenig getrunken, aber stehenbleiben wollte ich auch nicht, da ich Angst hatte nicht mehr gut weiterlaufen zu können. Selbst der letzte Anstieg über den Memmbachsteg (ist 4x zu überqueren), war noch ganz gut für mich zu laufen, auch wenn ich den ganz bewusst ganz langsam gelaufen bin. Einfach nichts mehr riskieren war das Motto und den letzten km nur noch genießen.

Nach 1:48:23 kam ich im Ziel an. Gesamtzeit 4:51:04. Ich hab mich gefreut wie ein Schnitzel und war erst mal froh es überhaupt geschafft zu haben und dann noch in dieser für mich so tollen Zeit.  Scheinbar war ich auf den Punkt hin fit und mein Tapering hat gut geklappt.
Zieleinlauf genießen



Das erste Bier war schnell vernichtet und ein paar Stück Obst ebenso. Ein weiteres Bier und 2 Stück Kuchen nahm ich mit nach draußen. Noch schnell duschen und dann ganz gemütlich den Kuchen genießen. Es kam dann auch noch die Sonne raus und so wurde es noch ein gemütlicher Samstag Nachmittag.

Am meisten hat mich überrascht, dass ich nach kürzeren Distanzen schon viel platter im Ziel ankam als in Erlangen. Muskulär hatte ich keine Probleme und auch in den Tagen danach kamen keine Probleme dazu. Einzig der linke Fußballen schmerzte ein paar Tage. Des weiteren war ich erstaunt, mit wie wenig Energieaufnahme ich die Strecke überlebt habe. Sicherlich hat das Wetter geholfen, aber ich denke, dass ich in der Zwischenzeit eine gewisse Grundlagenausdauer mir erarbeitet habe, sodass doch einiges an Fettverbrennung im Einsatz gewesen sein dürfte.

Ich kann den Triathlon in Erlangen nur wirklich empfehlen. Die Organisation ist super und auch die Helfer sind echt der Hammer. Vielen Dank nochmal.
Leider ist die Radstrecke nicht ganz 80 km lang und bei der Laufstrecke bin ich mir auch nicht ganz sicher. Aber egal. Es hat viel Spaß gemacht.